Antenne selbst vermessen

Wer wirklich wissen will, was seine gekauften Antennen taugen oder ob die beim Selbstbau angestrebten Eigenschaften erreicht werden, der sollte die Richtwirkung und das Vor/Rückverhältnis überprüfen. - Das kann man mit einem leidensfähigen OM in der Nachbarschaft machen, der einem die Messwerte bei Drehen der Richtantenne von seinem Schätzeisen übermittelt. Sowas kann sich aber in die Länge ziehen, und man sollte dessen Geduld nicht überstrapazieren.

Bei mir geht das gar nicht, denn ich habe so einen leidensfähigen OM nicht in der Nachbarschaft. Eigentlich gar keinen. Not macht bekanntlich erfinderisch, aber zumindest nachdenklich. So bin ich auf eine technische Lösung gekommen und kann meine Antennen jetzt mit amateurmäßigen Mitteln vermessen. - Ich nehme einen einfachen SDR-Empfänger Typ „Pappradio“, einen ausgemusterten Desktop-PC mit Windows XP und eine WLAN-Linkstrecke zu dem 4 km entfernten Aufstellort mit Stromanschluß, im weitern „Remotelocation“ genannt. Als Empfangsantenne dient ein einfacher Horizontal-Dipol.

Die WLAN-Strecke funktioniert einwandfrei und mit ausreichender Bandbreite. Der SDR-Empfänger am Remote-Standort liefert die S-Meter-Werte. Dabei ist nur interessant, ob die relativen Pegelmessungen stimmig sind. Der absolute Pegel wird von der einfachen Dipolantenne auf den verschiedenen Frequenzen von 160 bis 10m stark beeinflußt, ist aber nicht von Belang. Die Zuverlässigkeit der relativen Pegelmessung lässt sich mit unseren Mitteln gut überprüfen.
Ich sende mit steigender Sendeleistungen von 0,1/1/10/100W. An der Remotelocation muss dann der Empfänger jeweils 10/20/30 dB mehr relativ zum Ausgangspegel liefern. Wie sich herausstellt sind die vom Pappradio und der Software „WinradHD“ angezeigten Pegel ziemlich zuverlässig. Das mag mit anderen SDR-Empfängern und anderer Software möglicherweise nicht so sein, aber man kann ja die S-Meter-Anzeige entsprechend kalibrieren.

Wer das Glück hat, eine WEB-SDR-Station auf der Bodenwelle erreichen zu können, kann sich den ganzen Aufwand sparen und stattdessen gleich die Pegelmessung mit deren zuverlässigem Empfänger durchführen.

An einer Beispielsmessung will ich das Verfahren verdeutlichen. Ich habe eine 2-Element 20-m-Antenne vermessen. Sie arbeitet nach dem Prinzip von HB9CV. Allerdings werden die beiden Elemente jeweils getrennt voneinander eingespeist.

Das Bildschirmfoto zeigt die relative Feldstärke an der Remotelocation in Vorwärtsrichtung am S-Meter und gleichzeitig am weißen Balken rechts in dbmW. Er ist mit roten Linien angemarkert.

Das zweite Foto zeigt die relative Feldstärke in Rückwärtsrichtung am S-Meter und gleichzeitig am weißen Balken rechts in dbmW. Er ist ebenfalls mit roten Linien angemarkert.

Mit dieser Versuchseinrichtung lassen sich auch ganze Rundumdiagramme ermitteln. Man dreht die Antenne z.B. in 15 Gradschritten und trägt die Werte in ein Kreisdiagramm ein.
Da bei mir die Remotelocation und meine Amateurfunkstelle auf gleicher Höhe liegen, zeigen die  Diagramme meine Eigenbau-Antennen bei einem Erhebungswinkel vom 0 Grad, so wie in jedem guten Antennenbuch!

Heinz, DK4EI