Kontaktpflege

Telegrafisten schalten ihren Sender nur ein und aus. Mit der Morsetaste. Auch Büroklammern und  Hosenknöpfe müssen herhalten und manchmal sogar rostige Nägel. Besonders schick sind die Boliden aus Italien. Nicht selten kosten sie sogar mehr als das Funkgerät. Doch alle Tasten eint, dass sie Schalter sind. Mit Kontakten, die Stromkreise schließen und unterbrechen. In einem normalen QSO schaltet die Taste so etwa 500 bis 1000 mal. Die Schaltspannung ist viel geringer als in früheren Zeiten und auch der Strom von bis zu 0,5 mA verursacht keinen nennenswerten Abreiß-Funken.

Und doch muss der Funkamateur seine Kontaktflächen an der Morsetaste hin und wieder mal reinigen und auch die Mechanik justieren und gangbar halten. Feile, Sandpapier und WD-40 gehören auf keinen Fall in die Kontaktpflege-Kiste. Damit zerstört man Oberflächen und tut den Lagern nichts Gutes. WD-40 hat kaum Schmiereffekt und verdunstet nach einer Weile. Die Lager trocknen aus und werden schwergängig. Das alles tut der Taste ziemlich weh und sie wird sich bitterlich rächen.

Zur regelmäßigen Tasten-Wartung gehört die Reinigung der Kontakte. Die Oberflächen bei guten Tasten sind mit einer hauchdünnen Schicht Edelmetall versehen. Das leitet gut und oxidiert kaum. Diese Schicht muss unbedingt erhalten bleiben und sauber sein. Am besten zieht man ein Stück Papier zwischen den leicht zusammengedrückten Kontaktflächen durch. Nicht pressen und nicht rubbeln. Der Schmutz bleibt am Papier und die Kontakte können wieder exakt schalten. Etwa alle zwei Monate ist diese Wartung fällig.

Sollten die Kontaktflächen schon mal schlimme Erlebnisse gehabt haben und unter der Lupe arg zerklüftet aussehen, dann reicht ein Papierstreifen zur Reinigung nicht aus. Dann muss etwas Härteres her. Aber Vorsicht! Am besten besorgt man sich Schleifleinen mit einer Körnung von mindestens 12000. Das gibts leider nicht in jedem Baumarkt. Es lohnt sich, mal die Freunde zu fragen. Notfalls kann man ein paar Stück gemeinsam bestellen. Mit dem Schleifleinen werden die mikroskopisch zerklüfteten Oberflächen wieder glatt. Auf keinen Fall mehr Material abtragen als unbedingt nötig und auf keinen Fall eine eventuelle hauchdünne Beschichtung wegschleifen.

Als Pflegeöl eignet sich Ballistol. Mancher kennt es noch aus oliv-grünen Zeiten. Es dient der Reinigung, als Schmiermittel und als Korrisionsschutz. Ballistol ist so dünnflüssig, dass es von selbst in alle Ritzen und Lager kriecht. Auf jeden Fall muss man es sehr sparsam verwenden. Erfahrene Tastenpfleger empfehlen einen winzigen Kabelbinder einzutauchen und damit einen (und nur einen) Tropfen an die gewünschte Stelle zu bringen. Damit bleiben die Lager und Kontakte sauber und leichtgängig. Sie verschmutzen nicht und trocknen nicht aus.

Wer punktgenau ölen will, braucht einen "Geizhals" oder Tropföler, einen sparsamen, nachfüllbaren Ölgeber mit Schutzkappe. Mit dem langen Hals kommt man gut in fast alle Ecken und erreicht die Schmierstellen ohne viel Öl zu verplempern.

Allen Lesern wünschen wir Freude an der Telegrafie, leichtgängige Morsetasten und stets gute und gepflegte Kontakte.