Kleine DXer

Hinterm Horizont gehts weiter, und dort treffen wir besonders interessante Funkpartner. Außerhalb der Gemeinde, außerhalb unseres Landes. Politische Grenzen stoppen unsere Funkwellen nicht. Eine wertvolle Sache. Lasst sie uns nutzen. DX meint Verbindungen über große Distanz. Alles relativ. Die Einen denken an Übersee, andere eher europäisch und mancher ist froh, überhaupt den Kumpel im Nachbardorf zu erreichen. Wir sind eher kleine DXer.

DX-Stationen sind gefragt. Das Gedränge ist groß. Im Wunsch um einen Kontakt sind wir oft Mitbewerber mit bescheidenen Mitteln. Wir haben keine Antennenfarm und keine Endstufe, deren Kühlwasser den Pool heizt. Wir haben noch nicht mal einen Pool.

Zehn Watt oder hundert, ein Stückchen Draht in der Luft und was Selbtgebasteltes zum Funken. So mischen wir mit im weltweiten Funkbetrieb. Schon jahrelang haben wir das erfolgreich gemacht und mal aufgeschrieben, wie das klappen kann. Wer es mal probieren möchte, ist vielleicht dankbar für die Tipps.

Bereite dich vor
bevor du auf die Jagd gehst:  Immer alles sendebereit abstimmen, damit du notfalls sofort rufen kannst. Manchmal hast du nur eine Chance auf den seltenen Vogel, denn im nächsten Moment wird der Rest der Welt mitrufen.

Deute die Zeichen
Check die Bedingungen, ob es sich lohnt, auf Jagd zu gehen. WWV, Baken und laufende QSOs helfen dir dabei. Reverse Beacon Netze und Cluster sind bequem, aber zu spät. Wenn die Meldung dort aufläuft, ist die Meute dran. Dann drehen wir besser weiter.

Ruf niemals "CQ-DX"
Darauf antworten seltene Stationen kaum. Erst recht nicht, wenn der Rufer leise ist. Es sei denn, du suchst eine Verbindung nach USA oder Japan.

Machs beim Contest
Wenn du nur ein paar Tage im Jahr funken kannst, dann halte dir dazu die Wochenenden mit den großen Contesten frei. Der CQ World-Wide, der ARRL DX Contest, CQ WPX und so weiter. Deine Punktzahl ist dabei nicht wichtig. Aber an solchen Contesten machen viele seltene Vögel mit. Und die holst du dir dann.

Bleib dran
Wenn der Contest zu Ende ist, bleiben die DXpeditionen oft noch weiter QRV. Die großen Contester sind dann aber weg, und das ist deine Chance.

Mach mal einen Spaziergang
Geh mal in die DX-Ecken. Zum Beispiel 14026 bzw 14195 kHz. Wenn gerade kein Contest tobt, dann halten sich dort oft seltenen Stationen auf.

Gewusst wo und wann
Versuche nicht ein großes Pileup zu knacken, wenn die Bänder offen sind. Woanders findest du genug Gutes. Doch wie unterscheidet man Gutes von Schlechtem? Gut: Die DX-Station ist laut, arbeitet flott und andere aus deiner Gegend werden dort gehört. Schlecht: Leise DX-Station mit langsamer Betriebsabwicklung und die Bedingungen sind so, dass die DX-Station viele ruft, die sehr weit weg von dir wohnen, und wenn das Pileup grenzenlos ist.

Schnapp dir die Neuankömmlinge
Dreh langsam von Bandanfang nach oben. Hör genau auf alles. Abstimmen?, "QRL?" oder natürlich "CQ". Dort warte auf ein Rufzeichen. 99 von 100 Mal ist das kein seltenes DX. Aber glaub mir: beim Hundersten Mal ist der Fisch am Haken.

Hab Geduld
Wenn du ein QSO hörst, dass gerade zum Ende kommt (73 = TNX FER QSO) dann warte auf ein Rufzeichen. Vielleicht hast du Glück.

Übe dein Gehör
DX-Signale klingen nicht wie die aus Europa. Sie sind leiser und unstabiler. Deine Ohren werden den Unterschied mit der Zeit lernen.

Beobachte das 10 Meter Band
Wenn die Bedingungen gut sind auf 10 Meter, dann geht es auch mit 5 Watt problemlos um die Welt. Allerdings gelten die Öffnungen oft nur für begrenzte Gebiete. Dann ist die Konkurrenz klein. Die Signalstärke kann sich in kurzer Zeit stark ändern. Wenn eine interessante Station sehr leise ankommt, dann warte einfach ein bisschen. Bei Glück wirds lauter und du kommst zum DX-Erfolg.

Gleich rufen
Wenn du ein exotisches Rufzeichen hörst, dann guck nicht lange nach, was das wohl ist, sondern ruf gleich an. Falls es nichts Tolles war, kannst du dich später immer noch ärgern. Aber du hast das Call im Kasten.

Übe
Seltene DX-Stationen sind oft furchtbar leise oder im QRM kaum hörbar. Geübte Ohren hören besser. Trainiere dein Gehör durch Zuhören bei leisen und gestörten Signalen.

Volle Lizenz
Wenn die DX-Station auf Frequenzen funkt, die für deine Lizenzklasse verboten sind, dann bleibst du nur Zuschauer, und ihr kommt nicht zusammen. Mach dich also fit und sorge dafür, dass du die höchste Lizenzklasse hast.

Rund um die Uhr
DX-Bedingungen ändern sich über den Tag. Also funk nicht immer nur von 19 bis 21 Uhr. Guck auch mal zu anderen Zeiten rein: Steh mal nachts auf, und denk daran, die Zeit um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ist die interessanteste.

Mach CW
Morsetelegrafie ist effektiver in vielerlei Hinsicht. Außerdem können das nicht alle. Schmale Empfängerfilter fischen vielleicht dein leises Signal aus dem QRM. CW ist immer gut für Stationen mit schwachen Signalen.

Informiere dich
Nachrichten über DXpeditionen kann man sich in den Clubzeitschriften und natürlich auch im Internet finden. Informationen über Rufzeichen, Termine und Frequenzen helfen bei der Suche nach den begehrten neuen Ländern.

Durchpflüge den Acker
Viele denken, dass die DX-Stationen an den unteren Bandenden sind. Es kann sich lohnen, das gesamte Band abzusuchen und nicht nur auf den "üblichen" Frequenzen.

Wenn Bänder zugehen
Bei guten Bedingungen gehen die Bänder 15 und 10 Meter abends zu. Während der letzten Minuten kommt es oft zu überraschenden Feldstärken. Vielleicht kannst du da dein DX machen.

Fang sie im Netz
Manche DXer treffen sich regelmäßig in "DX-Netzen" und helfen sich gegenseitig beim Funkbetrieb mit seltenen Stationen, die auch im Netz sind. Wenn man höflich fragt und der Betrieb nicht zu hektisch ist, dann geben die Netzwerker auch Anrufern von außen eine Chance.

Viel Glück und good DX!