Baunatal-Kassel: 72.000 km

Von Baunatal bis Kassel und über den neuen Satelliten ist ein langer Weg: 72.000 km. Wenn das mal kein DX ist. Die Funkamateure haben die neue Technik ausprobiert und sich für den Nachbau fachmännischen Rat geholt. Eine neue Spielwiese. Der technische Aufwand für eine Erde-Funkstelle ist gering. Billige Komponenten für Antenne und Verstärker aus der WiFi-Technik bieten sich an, da sie für kleines Geld zu haben sind.

Zu Besuch bei Freunden: Frank, DD0CW, hat uns eingeladen. Er funkt schon seit ein paar Tagen über QO-100. Amateurfunk wie früher: Kreativität ist gefragt. Vieles muss gebastelt oder umgebaut werden. Wir tauschen Tipps, wie man den VFO stabil bekommt. Baken sind zu hören. Sonst ist das Band leer. Und plötzlich ruft einer CQ. Aus Western Sahara. Wir pfeifen uns ein, rufen an. Die Frequenz treffen wir nicht so ganz. Unser VFO läuft, denn die Sonne ist rausgekommen und scheint auf das LNB. Hurra. wir werden gehört. S01WS, Azman aus IL46rd.

Frank schreibt das QSO ins Log. Ein einfacher Zettel. Darauf sind schon etwa 15 andere QSOs notiert. Er freut sich über Hörberichte. Sie kommen per E-Mail.

Uns interessiert die Technik. Deshalb sind wir hier. Frank zeigt uns eine Skizze.

Die Teile sind einfach zu bekommen und kosten nicht viel. Die LNB-Verpackung:

Der Satellit lässt sich leicht finden. Von Berlin aus gilt: Azimuth 164,3°, Elevation 28,8° und Skew -9,5°. Skew ist die Verdrehung der Horizontallinie. Das kommt durch den weiten Blick nach Osten.

Also Schüssel nach Südost, knapp 30° nach oben und das LNB ca. 10° gegen den Uhrzeigersinn drehen (aus Sicht hinter dem Spiegel). Dann sollte es gelingen. Es gelingt besonders gut, wenn man einen so schönen SAT-Peiler hat, wie Frank. Selbst ohne diesen Peiler und sogar ohne Spiegel bekommt mal ein leises Signal vom Satelliten, wenn man das LNB direkt in die richtige Richtung hält.

Roberts Versuchsaufbau. LNB ohne Spiegel am offenen Fenster, Gleichspannungsweiche (vorn am Tisch) und SDR-Empfänger über USB am Laptop. Deutlicher SAT-Empfang. Die Signale sind ohne Schüssel allerdings sehr leise und im Rauschen.

Wer Einzelheiten zur Empfangstechnik sucht, wird bei Peter fündig (DL3JIN). Und wer gleich mal reinhören möchte kann einen der vielen SDR-Receiver verwenden, z.B.:
https://eshail.batc.org.uk/nb/

Ein Funkgerät für 70cm (allmode) ist eine gute Basis zum Senden. Frank benutzt dazu einen FT-100D von Yaesu. Die Ausgangsleistung ist ganz heruntergedreht und dennoch muss ein Dämpfungsglied dahinter, weil sonst der Eingang des folgenden Up-Konverters überfordert ist.

Der Up-Konverter bringt die ca. 430 MHz auf die erforderlichen 2.400,050 - 2.400,300 MHz bei ca. 200 -300 mW Output. Das Ausgangssignal wird dann noch verstärkt auf ca. 2 - 5 Watt je nach Antenne, wobei einige OMs auch nur 100 oder 200 mW machen. Ein großer Teil davon wird vom Antennenkabel ja gleich wieder aufgefressen. Als Antenne kann man außer einem Spiegel auch eine Yagi oder Helix-Antenne oder Hybrid-Quad-Gruppen nehmen. Mit mehr Sendeleistung kann man Empfangsverluste am Satellit durch eine lineare Sende-Polarisation auf der Erde, anstatt der eigentlich empfohlenen zirkularen Polarisation, wieder ausgleichen. Die wird dann im Brennpunkt einer großen Schüssel verbaut und weil der Satellit den Erreger im Spiegel sieht, muss sie andersherum gewendelt sein als vorgegeben.

Wir haben viel Neues kennengelernt, haben über den neuen Satelliten gefunkt und sind hoch motiviert, selbst erste Schrittchen zu wagen. Wir haben gesehen, dass alles eigentlich ganz einfach ist, dass man aber jemanden braucht, der Erfahrung hat und der weiß, wie es geht. Und dass wir solche Freunde haben, darüber freuen wir uns.

 

Robert, DL5FCE
Bernd, DK1DU