QSL-Geschichte(n)

QSL vom 4. November 1946. Aus Deutschland. Damals war Amateurfunk verboten. Lizenzen gab es nicht. Und dennoch funkt D4ANS mit W2OJW. - Was steckt dahinter?

Don Krueger war Sergeant und gehörte zu den Besatzungskräften der US-Armee in DL. Er war beim 3112th Signal Service Battalion (S.S.B.) und mit dabei beim D-Day-Einmarsch in der Normandie. Seine Einheit war zuständig für die Kommunikation bei den Vorstößen in Nord-Frankreich, im Elsass und im Rheinland. Nach Ende des Krieges war Don in Frankfurt stationiert. Anfang Dezember 1946 wurde die Einheit abgezogen und Don ging wieder zurück nach USA. Nur drei Wochen nach diesem QSO.

20 Jahre später: Einige der Funkamateure von heute waren noch Schüler und kurz vor dem Abitur. Sie hatten viele Freunde in Kassel mit DL4-Rufzeichen. Das waren amerikanische Soldaten in DL. Über sie hatten sie zollfreien Zugriff auf Heathkit, Drake und auf Pall Mall ohne Filter.

QSL-Karten sind Geschichte. Geschichte des Amateurfunks. Geschichte des Funkamateurs. Irgendwann kommen die alten 0-8-15-Karten beim Aufräumen ins Altpapier. Irgendwann später dann auch die wirklich interessanten Karten. Ein paar davon haben wir bisher noch aufbewahrt und erinnern uns gern.

Wir erinnern uns zum Beispiel an die oft inhaltlich schwierigen QSOs mit Freunden in der DDR. Vor allem dann, wenn sie den üblichen Rahmen eines Standard-QSOs verließen und die Unterhaltung mehr privat und persönlich wurde.

Der direkte Draht nach Rom. In den 1970-er Jahren stand mitten im Vatikan tatsächlich eine Cubical-Quad-Antenne. Die Station dort war häufig QRV und für uns aus DL immer gut erreichbar.

Und wir erinnern uns gern an Bob, der sich während des kalten Kriegs auf einem Pazifik-Atoll um die Radar-Station kümmen musste. Nix Kino und nix Oper. Er verbrachte seine Freizeit beim Funken. Auf unsere Frage, ob denn unsere Direkt-QSL schon angekommen sei antwortete er: "Kann sein. Der Flieger hat vorige Woche den Postsack abgeworfen, aber ich habe ihn noch nicht gefunden."

Warum schicken sich Funkamateure QSL-Karten? Lange war es einfach höflich, ein QSO mit einer bunten Postkarte zu besiegeln. Für viele Diplome galten diese Karten als Beweis einer gelungenen Verbindung. Und es war einfach gute Tradition. Vor allem, als es noch unglaublich war, über Landesgrenzen oder gar in andere Kontinente zu funken. Die Funkamateure damals waren so glücklich über ihre gelungene Verbindung, dass sie sich gleich bunte Postkarten schickten. So entstand neben dem persönlichen QSO ein weiterer sozialer Kontakt über eine Stück Papier. Wer heute noch einen Beleg braucht für eine Funkverbindung, nutzt Online-Dienste wie E-QSL & Co. Das ist preiswerter, schneller und vermutlich umweltfreundlicher. Moderne Radio-Clubs vermitteln gar keine bunten QSL-Postkarten mehr. Und andere bauen ihren QSL-Dienst ab. Der Bedarf sinkt, die Kosten steigen. Schade eigentlich. Aber wenn man an die schnellen und unpersönlichen Funk-Kontakte heute denkt mit 5nn oder FT8, dann passt eine handgeschriebene Grußkarte mit allen Daten zum QSO einfach nicht mehr.

Die Älteste aus unserer Sammlung. Vom 27. Juni 1928. Aus Shawnee, Oklahoma. Mit 100 Watt, 2.000 Volt Anodenspannung und Abstimmkreisen auf der Gitter- und Anodenseite.

Die Schlimmste. Eine Hörerkarte mit Hakenkreuz. Ausgerechnet aus Nürnberg. Nach 1933 übernahmen die Nazis die Macht im DASD, ersetzten den Vorstand und erlaubten ab Oktober 1934 nur noch "arische Deutsche" als Mitglieder. In Vorbereitung auf das spätere Verbot wurden durch die Nationalsozialisten die Gesetze drastisch verschärft, auf die Schwarzfunkerei standen ab 1937 lange Gefängnisstrafen. Mit Kriegsbeginn 1939 wurde der Amateurfunk verboten, und alle Geräte beschlagnahmt.

Wir haben ein wunderbares Hobby. Es verbindet Menschen miteinander. Freunde, Bekannte, Fremde. Menschen unterschiedlicher Nationalität, Religion oder Hautfarbe. Bunt und grenzenlos. Lasst uns immer daran denken und weiter Brücken bauen statt Zäune und Mauern.

(wird fortgesetzt)