Dreißiger-Zone

Bei der Telegrafie gibts kein Tempolimit. Wie auf deutschen Autobahnen. Jeder ist so schnell oder langsam unterwegs wie es ihm Spaß macht. Allerdings wird beim Morsen nicht so gedrängelt. In der Dreißiger-Zone (30 WpM) ist es recht gemütlich. Doch wer so richtig losmorsen will, kommt schnell an Grenzen. Erst an seine persönlichen. Da hilft nur üben. Und dann an die von Transceiver und Tasten. Sie werden getuned und tiefergelegt. Aber oft ist dann bei 38 WpM Schluss mit lustig.

Schnell morsen ist wie miteinander reden. PSK31 kommt da nicht mit. Und FT8 ist wie Rauchzeichen. Und miteinander plaudern heißt auch, dass man sich gegenseitig ins Wort fallen kann. Monologe sind doof. Ein echter CW-Mann braucht QSK, muss zwischen seinen Zeichen hören können. Auch zwischen den Punkten.

Eine Punktreihe kann man sich als Lattenzaun vorstellen. In den Zwischenräumen kann man durchhören. Doch wenn das Tempo schneller wird, werden Latten und Zwischenräume schmaler. Dann kann man nur noch in den größeren Buchstaben- und Wortabständen durchhören. Nicht mehr zwischen den Punkten. Und das ist dann kein richtiges QSK mehr.

Einen Transceiver haben wir gefunden, der QSK kann: Flex Radio 6000. Vor allem dann, wenn der Empfänger an einer separaten Antenne hängt.

Den Test kann jeder mit einem Transceiver selbst mal ausprobieren. Einstellen auf einen schwachen Träger und Punktreihe geben. Kann man den Träger zwischendrin hören? Bis zu welchem Tempo?

Von Transceivern, bei denen Relais klappern beim Morsen wollen wir gar nicht reden. Und selbst bei  teuren Geräten zum Beispiel bei denen von Elecraft klappts nicht. Die haben über 38 WpM Timing-Probleme. Beim KX2 und KX3 muss man einfach damit leben. Der K3 lässt sich in einen QRQ-Modus schalten.

Dann aber geht kein SPLIT, RIT, XIT oder cross mode mehr, das Passband-Filter kann weder LoCut noch HiCut. Hören durch den Lattenzaun der Punkte geht oberhalb von 38 nicht mehr und ab 60 WpM fällt die Vox aus. Der OP muss dann PTT selbst schalten.

Telegrafie braucht gutes Timing. 4 bis 5 Millisekunden bauen wir gern mal ein für den Anstieg einer Schalt-Flanke. Damit unser Signal nicht durch Klicks zu breit wird. Damals mit R-C-Gliedern, heute per Software. Inzwischen hat die Software in unseren modernen Transceivern aber so viele Aufgaben übernommen, dass sie zum einfachen Ein- und Ausschalten einfach zu lange braucht. Wir haben das mal beim KX3 an einem Telegrafie-Punkt gemessen.

Die Flanken-Steilheit des Sendesignals (rot) ist ja ok. Aber es vergeht viel Zeit vom Drücken der Taste (blau) bis HF auf der Antenne ist. 13 Millisekunden sind für flotte Telegrafisten einfach zu langsam. Das ist bei Tempo 40 WpM immerhin ein Drittel einer Punktklänge und macht ein blödes Gefühl beim Geben.

Telegrafisten brauchen keine Supertransceiver. Sie brauchen keine Predistortion und keinen Speech-Prozessor. Weder Mikrofon noch Equalizer. Modulationstests sind ihnen fremd. Sie wollen ihre Sender lediglich ein- und ausschalten. Das aber soll schnell gehen. Und darin sind viele moderne Software-Radios einfach nicht so richtig gut.

Jedenfalls nicht außerhalb der Dreißiger-Zone.