Mit dem Fugenkratzer ins All

Kabelbinder, Balkongeländer und ein Fugenkratzer. Damit funkt er in den Weltraum. Der Stefan. DJ7AO. 36.000 km weit, von Ahrensburg bis zum QO-100. Das Besondere: Stefan funkt nur mit 50 Milliwatt und erreicht damit die halbe Welt. Sogar in Baunatal ist er zu hören. In CW.

Stefan schreibt uns dazu:

Früher war ich bereits mit größerem Aufwand via Oscar 10 und 13 QRV - allerdings ist meine Welt seit eh und geh die Kurzwelle und daher kenne ich mich mit GHz Technik überhaupt nicht aus. Den Meldungen auf Twitter zufolge, vermeldeten die ersten OMs erfolgreiche Kontakte mit kleinster Leistung. Das spornte an. Ein junger OM aus unserem OV hatte sich mirnichts-dirnichts einen DXpatrol Konverter zugelegt und in einer gemeinsamen OV Aktion im Garten eines Mitglieds konnten wir diesen erfolgreich testen - allerdings nur in CW, da die PA fehlte. Wer hats gemacht ? Einer der CW kann - DJ7AO

Daraufhin wollten einige OMs auch QRV werden und diskutierten - zumeist negativ - die einsetzbare Technik - mit dem Erfolg, dass bis heute noch keiner QRV ist. Davon unbeeindruckt, orderte ich bei Hartwig-Elektronik den Upconverter und das PLL Modul - deutsche Technik verspricht auch einen deutschen Ansprechpartner bei Problemen.

Kurzum wurden die Module geliefert und zusammengeschaltet. Als Sendeantenne habe ich mir eine Gridantenne empfehlen lassen.

"Gird"? - soll wahrscheinlich "Grid" heißen.
"Gird"? - soll wahrscheinlich "Grid" heißen.

 So begab es sich an einem schönen sonnigen Tag, die iPhone App Theodolite auszuprobieren, um die Position des Satelliten am Himmel zu bestimmen. Schließlich war es wolkig und der Satellit nicht direkt zu sehen ;-)) Zum Leidwesen der XYL war der ideale Montageort auf dem Balkon des Schlafzimmers. Als Antennenträger diente der dicke Stiel eines Fugenkratzers aus der Garage, der mit Kabelbindern schnell am Balkongitter befestigt war. Es folgte die Befestigung der Gridantenne, die sich mithilfe des iPhones und vorbezeichneter App hervorragend ausrichten ließ. Probleme bereiteten noch diese kleinen Stecker (SMA) von denen ein Kurzwellenamateur nicht wirklich was in der Trickkiste liegen hat. Aus einem letzten Bastelprojekt lagen aber noch Kabel herum, die zumindest auf einer Seite die passenden SMA Stecker hatten. Transceiver und Gridantenne verlangten einen N-Stecker….hmmm - ein Abend löten im Bastelkeller und schwuppdiwupp waren die passenden Kabel fertig, ohne etwas neu bestellen zu müssen. Der Abend war doch recht fortgeschritten und jeder kennt das kribbelige Gefühl, etwas ausprobieren zu wollen…nein, zu müssen! Auch auf die Gefahr hin, dass der Abend bei Nichtfunktionieren gelaufen wäre, hi
Also - die XYL befand sich eh in ihrer Nähstube neben dem Schlafzimmer und da sie den OM immer gerne in ihrer Nähe hat, rechnete ich mit keinem größeren Widerspruch zum Aufbau einer Portabelstation im Schlafzimmer. Fix ein Beistelltisch aus dem Wintergarten geholt, die UKW Station aus dem Shack ausgebaut, Akkus als Stromversorgung angeschlossen und die Module verkabelt. Balkontür auf, Module unterhalb der Antenne angeschlossen und…den Web-SDR auf Empfang eingeschaltet.
Besonderes Augenmerk galt es auf die Ausgangsleistung des eingesetzten FT-847 zu legen - allen ist klar, was passiert, wenn der Upconverter mit zu viel Leistung angesteuert wird. Ampere rein - Rauch raus  Um das auszuschließen, konnte ich bei einem befreundeten OM ein UHF Leistungsmessgerät ausleihen, welches auch jahrelange keine Verwendung mehr fand. 1,5W war der minimale Output des Transceivers, die Eingangsleistung durfte aber max. 1 W betragen….also noch schnell ein Dämpfungsglied besorgt…gemessen - und? Tja, wo sendet man denn auf 70cm, um sein Signal auf dem Satelliten zu hören? Ziemlich blöde, wenn man(n) keinen Insider in seiner Nähe hat…aber mit ein paar Berechnungen war das dann auch schnell abgehakt. Also - Morsetaste (was auch sonst?!)  raus und mal sehen ob etwas zu hören ist. (Irgendwie passend beim Web-SDR).

Nach kurzem Tuning glaubte ich meinen Augen kaum…da waren tatsächlich Signale auf dem Web-SDR sichtbar - und kurz die Kontrolle - ja, die kamen eindeutig von meinem Sender. Hurra! Wie muss sich Marconi gefühlt haben, als er zum ersten Mal drahtlos seine Signale am anderen Ende empfing ? Herrlich, dieses Gefühl, wieder etwas Neues zu entdecken. Nach knapp 40 Jahren Amateurfunkpraxis und fast allen Ländern im Logbuch war das für mich als „alten Hasen“ ein Hochgenuss. Nochmal an der Antenne nach links und rechts, rauf und runter gedrückt - brachte nix, die Antenne war tatsächlich korrekt ausgerichtet. OK - wenn ich mich höre, dann hört mich vielleicht auch jemand anders. Wie hoch war man noch die Ausgangsleistung des Upconverters? Das Datenblatt sprach von 20-50Milliwatt. Mal sehen, ob das zumindest für ein erstes QSO reichen könnte. Die CQ Folgen reihten sich aneinander und plötzlich vernahm ich ein Signal, welches sich auf meiner QRG „einpfiff“…
Es war DL3GAK, der sich die Mühe machte, mein schwaches Signal zu empfangen. Er gab mir ein RST 359 und beende das QSO mehr schlecht als recht. 10 Minuten später wurde ich danach von DL1EL, dem Ralf aus Baunatal, angerufen und wir schafften tatsächlich ein vollständiges QSO unter Austausch der üblichen Daten. Ralf sandte mir spontan nach dem QSO eine E-Mail, um mir seine Begeisterung kundzutun und Näheres über meine Station zu erfahren.

Ralf, DL1EL
Ralf, DL1EL

Ebenso begeistert schilderte ich ihm meine Situation….einfach herrlich
Am Folgetag gelangen mir weitere drei Verbindungen mit DL, OK und YO. Mir schien, dass beim SDR etwas genauer auf schwache Signale geschaut wurde - auf KW hätte jeder gleich weitergedreht.
Nachdem ich mir von einem OM aus dem OV eine modifizierte China PA (8W) ausgeliehen hatte, ging ich erneut auf Sendung. In CW waren die Signale deutlich stärker, in SSB allerdings an der unteren Grasnarbe. Ohne meine Sendeleistung messen zu können, ging ich von einer Sendeleistung von ca. 2 Watt aus - bis mir Daniel, DL3RTL aus Berlin vorführte, wie sein Signal mit 2 Watt klang. OK - ich mutmaße dann mal, dass es weniger als 1 Watt sind, die die PA bei der geringen Steuerleistung von sich gab. Aber spannend war es schon, zu hören, wie sich 2 W anhören.

Nun geht die Tüftelei weiter, eine PA zu finden, die aus den 20-50mW zumindest 2 Watt zaubert. Für Hinweise bin ich dankbar. Der Entwickler des Upconverters kann damit nicht dienen - befindet sich seinen Angaben zufolge aber in der Entwicklung. Zwischenzeitlich ist der Markt ja auch deutlich größer geworden - für den Laien vielleicht sogar schon unüberschaubar mit all seinen Modulen.
Weiterhin folgten ausgedehnte CQ Rufe in meiner Lieblings-Sendeart CW - viele Rufe verhallten jedoch im Orbit. Dennoch stehen bereits VU2EEI (was für ein furchtbares CW-Rufzeichen!) UA, EI und F im Log.
Zwischenzeitlich meldet sich jedoch auch die XYL zu Wort, die natürlich gerne die Funkgeräte aus dem Schlafzimmer verbannen möchte…es besteht also weiterhin Optimierungsbedarf ;-))

Sehen wir uns in Kassel am 18.4. ??

73 Stefan, DJ7AO