Auf der Überholspur

Wer gewinnen will, muss die anderen überholen. Das ist beim Funken genauso. Conteste gibts ja genug. An jedem Wochenende wird auf den Bändern geschubst, gedrängelt und gebrüllt. Viele machen mit. Die Bänder sind dann richtig voll. Wer gewinnen will, muss die Zeit beherrschen. Muss hoch konzentriert sein. Funkbedingungen haben die Herrschaft über körperliche Bedürfnisse. Aber auch als Anfänger kann man bei Contesten viel entdecken und lernen.

Quelle: D4C - Monteverde Contest Team
Quelle: D4C - Monteverde Contest Team

Wer auf der Überholspur funken will, muss gut sein. Und schnell. Er bringt seine Antennen und Geräte rechtzeitig in Schuss, hat eine ausgebuffte Betriebstechnik und weiß, wann er auf welchen Bändern Punkte machen kann.

NR5M, Quelle: http://k6hr.com/index.php/hf-contesting/
NR5M, Quelle: http://k6hr.com/index.php/hf-contesting/

In der Klasse "multi/multi" wird Contest in einer Mannschaft zum Gruppenerlebnis. Wir Funkamateure kennen das. So haben wir unsere Freizeit in den siebziger und achtziger Jahren verbracht. Das braucht Platz, ordentliches Equpiment, gut trainierte und teamfähige Operator mit flexiblen Terminkalendern, eine perfekte IT, gute Logistik und einen, der die Sache zusammenhält.

WPX März 1978 bei DL0JK: DK2XX, DF2ZO, DK6FT, DK8ZL, DF7FR. Foto: DK1DU
WPX März 1978 bei DL0JK: DK2XX, DF2ZO, DK6FT, DK8ZL, DF7FR. Foto: DK1DU

Klar gibt es auch eine Klasse für "ein Operator, ein Transceiver". Neu auch mit einem Operator und gleich mehreren Transceivern?

Daniel, N6MJ, funkt im CQ-WW-CW-Contest 2017 zum Beispiel auf zwei Bändern gleichzeitig. Ein dritter kleiner Transceiver steht oben drauf in der Mitte. Im Wasserfall kann Daniel sofort sehen, wann sich das nächst höhere Band öffnet. Die Empfänger-NF geht auf seinen Kopfhörer. Jeder RX in ein Ohr. 

Hut ab! - Beim CQ-WW werden nur Rapport und Zone ausgetauscht. Als Rapport kommt beim Contest sowieso nur 599 vor. Wir geben bei jedem QSO immer nur "5nn14". Die Zonen-Nummern kann man auf einer Weltkarte nachsehen. Der erfahrere Contester braucht außer beim Rufzeichen also gar nicht so genau hinzuhören. 

Ein anderes Beispiel: Jose, CT1BOH, funkt als 2BSIQ im CQWW 2015 und 2016. Auch er benutzt zwei Transceiver gleichzeitig. Sein Trick: Er hört nur den Empfängerton. Was er selbst sendet hört er gar nicht. Dadurch läuft die Session zwar nach außen ruhig, ist aber denoch eine extreme Konzentrationsübung. Und das über die lange Contest-Zeit.

Jose schafft damit 17 QSOs pro Minute. In der Stunde 510. Er hat eine sehr ausführliche Präsentation bereitgestellt, in der er erklärt, wie er es macht.

Etwas gemütlicher: Drew, K3PA. Funkamateur und Contester mit Leib und Seele.

Sein Call findet sich in vielen Contest-Logs. Er ist hauptsächlich in CW unterwegs. In der Zeitschrift QST macht er sich Gedanken über Contest-Muffel und ihre Gründe, warum sie nicht mitmachen. Er hat die Top Ten der Ausreden zusammengestellt und bietet Hilfen und Lösungen an.

 Wir können auf einen ehemaligen Artikel verweisen:  Contest? -Ich?

Drew freut sich, dass wir hier eine deutsche Version seines Artikels bringen. Und darin sind wir mit ihm einer Meinung: Amateurfunk lebt. Besonders im Contest.