Fool on the Hill?

Anfang Januar 2019, als ich gerade beschlossen hatte, eine mehrwöchig Reise durch Namibia und Südafrika zu machen, bin ich durch Vermittlung meines langjährigen Funkfreundes Dieter (VK3FFB) in Melbourne mit Jonathan (ZS1ARB) aus Kapstadt in Kontakt gekommen. Dabei kam es im Zusammenhang mit meiner Planung Kapstadt zu besuchen, zu einer Einladung von Jonathan zu einem gemeinsamen Funkbetrieb auf dem Tafelberg (Table Mountain). Solch eine SOTA-Aktivität (ZS/WC-043) hatte er schon lange angedacht und so wurde daraus ein feste Verabredung zu einer „Expedition“ der besonderen Art.

Am Samstagabend, dem 23.2., trafen wir uns zum ersten Mal zu einem eye-ball-QSO in einem Restaurant im Kapstädter Hafenviertel „Waterfront“ und haben dabei alle Details besprochen, vor allem, was wir in unseren Rucksäcken an Ausrüstung mitschleppen wollten. Jonathan hat seine Standard-SOTA-Ausrüstung in den Rucksack gepackt, bestehend aus FT 891, Akku und seinem „linked dipole“ für 20 und 40 m mit Schiebe-portabel-Mast.
Ich hatte auf dieser Reise meinen KX3 mit einem 85 Wh-Lithium-Akku und die MP1-Antenne dabei. Das alles verschwand in meinem Rucksack.

Am Sonntagmorgen um 7 Uhr hat mich Jonathan an meinem Hotel abgeholt, wir wollten nämlich als „early birds“ mit der ersten (sich um die eigene Achse drehenden) Gondel der Table-Mountain-Seilbahn von 350 auf 1050 m hochfahren, vor allen den Hunderten von Touristen, die jeden Tag das Wahrzeichen von Kapstadt besuchen.

Oben angekommen, mussten wir dann noch 2,8 km zu Fuß zu unserem Ziel, der „Maclear's Beacon“, zurücklegen. Diesen Marsch hatte mir Jonathan schon angedroht und sich vorher extra nach meiner Fitness erkundigt. Es war berechtigt, denn viele denken, die Oberfläche des Tafelberges sei „flach“ und gemütlich zu begehen, aber weit gefehlt: Sobald man den touristischen Restaurant-Bereich an der Kopfstation verlässt, begibt man sich auf einen sehr steinigen Pfad mit sehr rauer Oberfläche, der reichlich onduliert verläuft. Wir mussten sogar zweimal durch kleine Schluchten mit ca. 30 m hohen Seitenwänden klettern, dabei konnte man sich Gott sei dank an Eisenketten hochziehen.

Der aufgezeichnete Weg auf der Aufnahme von Google Earth und das Höhenprofil zeigen das recht deutlich.

Deshalb, aber auch wegen der unglaublichen Aussicht in dieser Höhe mit den tollsten Fotomotiven über Kapstadt, dauerte es  fast 1,5 Stunden, bis wir an der Bake ankamen.

Dieser Punkt mit der vertikalen Eisenstange ist ein beliebtes Motiv, aber als wir unsere Rucksäcke entleert hatten und die Drähte in der Luft waren, da waren wir das Hauptmotiv und mussten immer wieder neugierige Fragen zu unserem „seltsamen“ Treiben beantworten. Sind das womöglich „fools on the hill?“

Für mich war sehr interessant, aber nicht verwunderlich, zu erleben, dass  Jonathans Dipol, in ca. 9 m Höhe eingespeist, deutlich besser auf 40 m (7.090 MHz) ging, als meine „kleine“ MP1.

In unser SOTA-Logbuch kamen in kurzer Zeit einige Stationen aus ZS1 und ZS6 sowie Derek in Swakopmund (V51DM). Da ich die Wochen zuvor bei meiner Fahrt durch die Wüsten von Namibia täglich auf den LEO-Satelliten QRV war, habe ich kurzerhand mein UKW-Handfunkgerät mit der Gummi-Antenne eingeschaltet und konnte bei einem schönen Überflug mit 85 Grad Erhebung Derek (V51DM) in Swakopmund erneut auf UKW mit den 5 Watt per Sat arbeiten. Dazu noch zwei weitere Amateure aus ZS6. Auch eine ganz tolle Erfahrung.

Insgesamt waren wir über 7 Stunden auf dem Berg. Ein wirklich unvergessliches Erlebnis, welches nach ein paar Wochen noch mit einer Überraschung für mich endete.
Ein Foto mit mir auf dem Tafelberg zierte die Titelseite der Aprilausgabe vom Amateurfunkmagazin des Südafrikanischen Radio-Clubs (SARL).

On the Cover: "Charly"  Karl-A.  Dr.  Eichhorn,  ZS1/DK3ZL  on top  of  Table  Mountain  at  SOTA  ZS/WC-043.
photo by Jonathan, ZS1ARB.

Mein erster Kontakt mit SOTA-Aktivitäten (Summit On The Air = Berg per Funk in der Luft) war somit für mich schon etwas ganz Besonderes und hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es war eine sehr spannende und lustige Sache, mit einem Funkfreund aus Südafrika mit Gleichgesinnten Funkverbindungen zu machen.

Charly, ZS1/DK3ZL

Charly kommt zum nächsten Stammtisch: Dienstag, 25.06.2019 um 19 Uhr im Restaurant Kupferkanne. Dort zeigt er weitere Bilder und Videos von seiner Reise durch Namibia (V51)  und Südafrika (ZS). Dazu laden wir alle Interessenten ein. Gäste und Interessierte sind bei unseren Veranstaltungen immer herzlich willkommen.