Bazooka

Nein, schießen wollen wir nicht. Bazooka ist eine besondere Antennenform. Sie empfängt nur wenig Umgebungs-Rauschen. Das macht sie so attraktiv in diesen Zeiten. Sie wird auch Koaxialantenne genannt, weil sie aus Koaxialkabel ist. Wer noch Koax-Reste rumliegen hat und weiß, auf welcher Seite man den Lötkolben anfasst, der kann sich die Antenne basteln. Die Bauweise ist simpel, man braucht nicht viel. Der Materialpreis liegt unter 20 EUR. Gegenüber dem Dipol hat die Bazooka eine höhere Bandbreite, ist unkritischer gegenüber Gelände und Bebauung. Sie ist eine gute Portabelantenne für Fieldday, Urlaub, SOTA und anderen Funk draußen. Einziger Nachteil: Sie geht nur auf einem Band.

Für eine feste Installation nimmt man am besten RG58-Kabel. Für unterwegs darf es ruhig ein bisschen leichter sein. Wir probieren mal, ob es mit dünnem Koaxkabel RG174 auch klappt. Eigentlich ist das ja nur für Innen-Verdrahtungen gedacht, aber wir haben es ja auch schon mal erfolgreich als Speisekabel für unterwegs verwendet. Bei kleiner Leistung geht das.

Zuerst muss eine Entscheidung getroffen weden: Auf welcher Frequenz wollen funken mit unserer Bazooka? Eine Tabelle mit Längenangaben und einen Rechner dazu finden wir bei Marc, DO5MCC.

Unsere Bazooka im oberen Bild hat einen blauen und einen roten Strahler. Eigentlich ist sie ja symmetrisch (wie ein Dipol). Aber wenn wir mal nur einen Aufhängepunkt haben, dann soll das heißere Ende (rot) nach oben und das blaue Richtung Erdboden verlaufen. Natürlich kann man auch gleiche Farben nehmen. Wir bauen eine für das 40-Meter-CW-Band. Die Längen rechnen wir aus und nehmen für die beiden Endstücke knapp 20 cm mehr. Dann haben wir Zugaben für Lötstellen und Knoten am Ende. Bei dem super-dünnen Koaxialkabel sind auch die Kapazitätsverhältnisse anders als bei RG 58. Abschnippeln ist leichter als dranfrickeln. - Bauchgefühl. 

Wir legen uns die richtigen Drahtlängen zurecht und suchen auf dem Koaxialkabel die Mitte. Jetzt kommt das kniffligste Stückchen Arbeit: ganz vorsichtig nehmen wir ca. 2 bis 3 cm Isolierung in der Mitte ab, ohne dabei das Kabelgeflecht anzuritzen. Die Abschirmung trennen wir in ihrer Mitte vorsichtig auf und bereiten zwei Lötstellen vor für die BNC-Buchse.

An den Koaxialkabel-Enden verlöten wir Seele mit Abschirmung und mit dem End-Draht (rot, blau oder sonstwie). Vielleicht spendieren wir noch zwei Stückchen Schrumpfschlauch für die blanken Drahtstellen. Und dann kümmern wir uns um den Speisepunkt.

Den Mittelteil (Speisepunkt) packen wir in einen Flaschendeckel aus Plastik. Nur der Hals der BNC-Buchse guckt raus. Dann lassen wir alles mit Heißkleber voll laufen.

Kleiner Trick: Loch lassen oder nach Erkalten bohren, damit man ein Seil durchziehen kann, wenn die Bazooka mal als Inverted Vee hängt. Durch das Loch im Heißkleber kann man auch später die Spitze vom GFK-Mast stecken und spart sich dadurch weiteres Befestigungsmaterial und Gewicht. Als Isolatoren an den Antennen-Enden dienen Kabelbinder. Sie sind leichter als anderes Isoliermaterial.

Wir wollen die Bazooka gleich testen und vor allem vergleichen mit dem vorhandenen Dipol. Was vergleichen wir da eigentlich? Der Dipol 2 x 18m hängt ca. 10 m hoch. Mit einer Hühnerleiter ist er mit dem Transceiver verbunden. Die neue Bazooka hängt als inverted Vee, im Speisepunkt ca. 10 m hoch und die Enden ca. 2 m über Grund. Die Bazooka hängt als Ganzes also deutlich tiefer als der Dipol und zudem noch näher am Haus mit allen seinen Störquellen. Die Speiseleitung besteht nur aus dem sehr dünnen RG 174. Das eine dB Dämpfung nehmen wir in Kauf. Mal sehen, wie sie sich schlägt. - Aber erst gucken wir mal nach den Resonanzverhältnissen.

Das sieht gut aus. Sie ist erfreulich breitbandig. Dann können wir jetzt die Empfangseigenschaften mit dem Dipol vergleichen. Gut, dass wir die Endstücke ein wenig länger gelassen haben.

Die Bazooka rauscht deutlich weniger. Das Nutz-Signal ist dabei gleichlaut. Mit Bazooka sind die Signale besser zu verstehen. Und dabei hängt sie viel näher am Haus als der Dipol.

Kann die Bazooka auch gut senden? Web-Radios gibt es fast überall und sie können die Feldstärke plotten. Man kann seine Feldstärke messen und vergleichen. Einfach und genau. QSB-Effekte lassen sich durch Messen über längere Zeiten weitgehend ausblenden.

Ja. Sie kann senden, und sie braucht sich hinter dem Dipol nicht zu verstecken. In Schweden ist sie deutlich lauter als der Dipol.

Die fertige Antenne wickeln wir auf eine alte Filmspule. So lässt sie sich gut transportieren und es verkutzelt nichts. Mit Spule wiegt sie nur 350 Gramm und ist damit leicht genug für den SOTA-Rucksack. Dazu kommt noch die Zuleitung. Bei Sendeleistungen bis 15 Watt genügt dafür nach unserer Erfahrung auch das dünne RG174. Das fällt nicht ins Gewicht. Als Alternative schlagen wir DXW 174 vor. Von DX-Wire. Und wer ganz genau wissen möchte, wie man daran einen BNC-Stecker anbringt, der kann sich ja von Dr. Kunzelmann beraten lassen.

Fazit:
Die Bazooka ist einfach zu bauen. Das Material ist preiswert. Die Antenne ist breitbandig und hat ein gutes SWR und vor allem rauscht sie deutlich weniger als ein Dipol. Sie ist zwar nur auf einem Band zu gebrauchen, aber dennoch eine geniale Antenne für SOTA-, Urlaubs-, Fieldday- und andere Portabel-Aktivitäten. - Zur Vollständigkeit wollen wir erwähnen: Man kann sie auch fertig kaufen. Zum Beispiel hier >>. Aber das macht natürlich viel weniger Spaß. Wir bauen jetzt gleich eine für das neue 60m-Band.