Der Hühnerleiter-Dipol

Jede Antenne strahlt. Manche besser. Probiere alles und behalte das Beste. Das sind Kernsätze für den Antennenbau. Zu den einfachen Antennen gehört der Dipol. Und der ist richtig gut, wenn man zwei Grundsätze beachtet: λ/2 lang und möglichst λ/2 hoch. Speist man ihn in der Mitte, erwischt man 50 Ohm, kann ein Coaxkabel nehmen und steckt das untere Ende einfach in den Transceiver-Ausgang. Mit einer Hühnerleiter verwandelt man seinen Dipol in eine Mulitband-Antenne. Die Speisung erfolgt sogar verlustfrei und die Draht-Längen sind dann ziemlich egal. Doch 2 x 13 Meter sollten es mindestens sein für 80m-Betrieb. Wer Platz hat, funkt ideal mit 2 x 27 Meter oder noch länger. Dipol und Hühnerleiter sollen möglichst symmetrisch angeordnet sein. Und die Drähte der Hühnerleiter sollen mindestens 5 cm Abstand voneinander halten. Dielektrikum möglichst Luft. Breite Plastik-Stege verwandeln sich bei Nässe in wahre HF-Brücken. Alle Parallel-Leitungen gehen. Nur unterschiedlich gut. Je näher die Drähte aneinander rücken, desto niedriger wird die Impedanz. Alte Fernseh-Antennen-Kabel liegen bei 240 Ohm (Faltdipol) und Wireman (mit den breiten Plastik-Stegen) liegt bei ca. 450 Ohm. Je höher desto besser. Die Leitung im Bild nebenan (ca. 600 Ohm) ist selbtgebaut mit Komponenten der Firma Kabel-Kusch. Von deren Seite haben wir auch das Foto geklaut übernommen. Bei Kusch oder DX-Wire kann man Kabel und auch Klemm-Stege kaufen und baut sich die Leitung dann am besten selbst.

Doch wie verbindet man das Ende der Hühnerleiter mit der Coax-Ausgangsbuchse am Transceiver? Einfach dran? Und schafft das mein Tuner? Bei Glück vielleicht auf einem Band. Aber wahrscheinlich gar nicht. Die Impedanz ist vermutlich zu hoch. Wie man das richtig macht, da scheiden sich die Geister. Darüber wird oft gestritten.

Vorsicht! Bei Impedanz-Transformation kann es schon ab 10 Watt Sendeleistung zu hohen Spannungen kommen. Die Anschlüsse der Hühnerleiter am unteren Ende müssen unbedingt berührungssicher ausgeführt werden. Isolierte Bananenstecker haben sich bis 100 Watt bewährt. Dann kann man dort auch bei Gewitter trennen. Bei höherer Leistung sollte man die Hühnerleiter anlöten und gut isolieren.

Wir wollen hier nicht aus wissenschaftlichen Abhandlungen zitieren; wir wollen auch keine mathematischen Formeln verbiegen. Wir wollen bauen und ausprobieren, und wir wissen: beim Anschluss der Hühnerleiter an den Transceiver-Ausgang wollen wir zwei Dinge erreichen: eine Impedanz-Transformation (50 Ohm an unbekannt) und eine Symmetrierung (Strom auf beiden Leitungen soll gleich stark sein). Dazu wollen wir hier drei Lösungen mit unterschiedlicher Wirkungsweise vorstellen:

 

Ferrit-Kette

Peter Bogner (DX-Wire) verkauft und beschreibt einen Hühnerleiterbalun. Auf einem ca. 60 cm langen Kabelstück sind zahlreiche verschiedene Ringkerne aufgefädelt. Wir haben das mal ausprobiert. Also: Transceiver, Tuner, Ferrit-Kette, Hühnerleiter. Wir mussten mit der Länge der Hühnerleiter ein bisschen jonglieren und hatten nur Erfolg mit einem Tuner, der auch hohe Impedanzen noch anpassen kann. Der interne KX3-Tuner hat es geschafft. Die üblichen in den Transceivern eingebauten Tuner versagen dabei allerdings. Vielleicht hätten wir ein bisschen variieren müssen mit den Längen von Dipol und Hühnerleiter. Auf jeden Fall: Leistung über 100 Watt sollte man der Ferrit-Kette lieber nicht zumuten.

 

Balun

Am besten gleich eine Kombination aus Strom- und Spannungsbalun. Uli (DL2LTO) hat das hier sehr gut beschrieben. Für größere Sendeleistung sollte man große Kerne wählen und sie mit Teflon-Drähten bewickeln. Das Foto links zeigt einen Fertig-Balun (Version 100 Watt) von QRP-Project. Dort gibts als Bausatz auch eine QRP-Version mit nur einem Kern als 1:4-Trafo. Alles lässt sich auch leicht selbst bauen. Doch zuvor empfehlen wir als Einführung den Vortrag von Wolfgang Wippermann (DG0SA) .

 

Parallel-Koppler

Die beste Lösung ist ein Parallelkoppler. Aber leider auch die aufwändigste bzw. teuerste. Vom Transceiver (ohne Tuner) gehts auf ein Symmetrierglied und von da gibts je einen kompletten Tuner in beiden Leitungen. Die Tuner-Kapazität und Induktivität wird gekoppelt eingestellt. Alles ist vollkommen symmetrisch. Kapazitäten für extreme Impedanzen sollten zuschaltbar (steckbar) sein. Ein hoher mechanischer und elektrischer Aufwand. (Tuner mit Balun im Ausgang sind keine Parallelkoppler und fallen eher in das Kapitel "Balun".) Im Foto einer der raren DL3KCH-Koppler für hohe Sendeleistungen. Bodo Scholz (DJ9CS) beschreibt hier verschiedene Parallelkoppler: Annecke ab Seite 25, DL3KCH ab Seite 35 und Palstar ab Seite 40.

Ein Dipol mit Hühnerleiterspeisung und solider Anpassung ist immer eine wirkungsvolle Mehrband-Antenne. Sie legt Wert auf symmetrischen Aufbau. An allen Stellen. Dabei kann man den Dipol kürzen oder verlängern. Je nach räumlichen Gegebenheiten.