WSJT

Ralf, DL1EL
Ralf, DL1EL

Bei schlechten Bedingungen auf Kurzwelle hat man den Eindruck, man ist ganz allein auf dem Band. Überall nur noch Rauschen oder lokale Störungen. Keine Station ist mehr zu hören. Mit viel Glück sind noch ein paar schwache Signale in Telegrafie da, aber sogar dafür reicht es manchmal nicht um eine kurze Verbindung zusammen zu bekommen. Abhilfe schafft JT65, eine soundkarten-basierende Betriebsart aus dem Gesamtprojekt WSJT - Weak Signal Communication von Joe Tayler, K1JT. Es wurde zunächst bei Erde-Mond-Erde- Verbindungen und Meteoraktivitäten eingesetzt. Unter WSJT haben sich dann verschiedene Verfahren entwickelt, unter anderem der Modus JT65-HF für die Kurzwelle. JT65-HF ermöglicht weltweite Verbindungen bei geringer Leistung oder schlechten Bedingungen.

JT65 kann im Bakenbetrieb genutzt werden, um die aktuellen Ausbreitungsbedingen zu testen. Außerdem und für uns noch viel wichtiger ist ein einfacher QSO-Betrieb, der minimal QSOs erlaubt. Es sind sogar individuelle kurze Mitteilungen mit maximal 13 Zeichen möglich. Fasse Dich kurz!

Die Signale bestehen aus 65 verschiedenen Tönen in einem Abstand von 2,7 Hz. Daraus resultiert eine extrem schmale Bandbreite von 178 Hz. Auf dem dabei vorgesehen Band können so theoretisch bis zu 10 Stationen untergebracht werden. In der Realität kann man meist bis zu 8 verschiedene Signale gleichzeitig beobachten. Gegenüber von CW mit -12dB unter dem Rauschen können noch Signale von -28dB unter dem Rauschen dekodiert werden. Bei uns klappt es mit Signalen von -20dB noch ohne Probleme mit einem Kontakt. Da ist von SSB und auch Telegraphie nichts mehr zu hören.

Experten vergleichen ein 10 Watt JT65 Signal mit einer SSB Station, die mit 4 KW sendet.
Seine Leistungsfähigkeit erhält JT65 durch die geringe Bandbreite, sehr schmale Filter in der Software und durch eine präzise Aufbearbeitung des empfangenen Signals im Rechner.
In der Praxis bleibt das Kurzwellengerät auf einer Frequenz eingestellt. Die Abstimmung erfolgt innerhalb eines 2 kHz breiten Bandes am Rechner in der Einstellung USB auf allen Frquenzen. Dabei sendet man in jeder zweiten Minute für 46,3 Sekunden ein Zeichen im Dauerstrich. Dabei wird das Gerät in USB oder in einer für die Soundkarten basierenden Einstellung, wie bei PSK-31 betrieben.

Empfangene Signal werden von der Software auf Wunsch ins Internet weitergeleitet und können zum Beispiel bei PSK-Reporter.de angezeigt werden. Die verwendete Sendeleistung sollte zwischen 5 und 20 Watt sein. Das reicht eigentlich immer aus. Durch die Verbindung mit dem Internet kann jeder selbst sehen, wo sein Signal noch zu hören ist, ohne mit jeder Station eine direkte Verbindung gehabt zu haben. Allein diese Möglichkeit ist genial um die leistungsfähigkeit seiner Station auch bei schlechten Bedingungen zu testen.

In der Praxis zeigt sich, dass es ganz besonders wichtig ist, die eigene PC-Uhr wirklich sekundengenau zu stellen. Wir verwenden dazu den Internetserver der Physkalisch-Technischen-Bundesanstalt in Braunschweig. Der Server hat die Adresse "ptbtime1.ptb.de" und ist viel genauer, als die anderen Time-Server im Internet. Die Erfahrung zeigt, dass unsere Rechner vor jeder ernsten Sitzung manuell nochmal auf die richtige Uhrzeit gebracht werden müssen.

Neben dem einfachen Pentium 1.5 GHz PC mit sekundengenauer Uhrzeit wird noch eine Software benötigt. Die Funkamateure verwenden nach verschiedenen Versuchen eine Software aus Russland.
Sie ist von Igor Chernikov, UA3DJY, und hat den Namen JT65DX. https://www.qrz.com/db/UA3DJY
Sie erweist sich wesentlich empfindlicher und robuster als alle anderen Programme. Durch ihren auf europäische Verhältnisse geänderten Quellcode kann sie auch mit starken Störungen gekonnt umgehen. Mit dieser Software können wir sogar auf dem 160 m Band viele europäische Stationen ohne Probleme lesen und Verbindungen herstellen. Sogar auf offensichtlich toten Bändern können noch ganz schwache Signale dekodiert werden, die im Wasserfall gar nicht mehr sichtbar sind. Zudem kann man alle gängigen Funkgeräte damit steuern d.h. von Empfang auf Senden umschalten. Die Verbindung zwischen dem Funkgerät und dem Computer wird wie bei PSK-31 oder anderen Soundkarten-Betriebsarten hergestellt. Das kennen wir ja schon.

Der Ablauf der Verbindungen ist immer gleich und verläuft im Minutenrhythmus. Eine Minute empfangen, eine Minute senden. Um ganz genau zu sein: 46,3 Sekunden senden oder empfangen und dann dekodieren. Die restlichen knapp 10 Sekunden müssen ausreichen, die Aussendungen auf dem Bildschirm zu lesen und um zu entscheiden, was in der nächsten Minute passieren soll.
Wem will ich antworten, was will ich ihm mitteilen, oder will ich noch eine Minute mithören?
Eben wie im echten Funkerleben. Nur hier hat die Uhr die Steuerung, denn weltweit beginnen alle zur wirklich selben Zeit zu senden oder zu empfangen. Es ist eben richtiger QSO Betrieb, wie bei Meteorscatter schon seit vielen Jahrzehnten. Alles ist spannend und auch wenn man nur zuhört/mitliest, kann man staunen, was sich so alles aus allen Erdteilen empfangen lässt. In der Praxis sind aus allen Erdteilen der Welt Signale zu empfangen und Verbindugen dort hin möglich. Selbst bei schlechten Bedingungen. Das Angebot von Stationen ist überwältigend. In 24 Stunden können auf dem 40 m Band auf einer Frequenz unter der Woche mehr als 400 verschiedene Stationen beobachtet werden. Sogar vom Südpol meldet sich Felix, DP1POL, immer wieder nach seiner Arbeit und freut sich auf Verbindungen nach Deutschland. JT65 und schlechte Bedingungen auf Kurzwelle: Eine herrliche Spielwiese!